Der Ort Sandbach
Sandbach, das seit jeher mit dem 2 km östlich gelegenen Dorf Seestetten verbunden ist, liegt in einem Bogen am rechten Donauufer 8 km östlich von Vilshofen und 14 km westlich von Passau zwischen den Flußkilometern 2.239 und 2.243, wo der Sandbach, der dem Ort den Namen gab, in die Donau mündet. Die früher selbständige Gemeinde wurde 1978 nach Vilshofen eingemeindet.
Das Dorf und seine Geschichte wurden wesentlich von der Donau und dem Verkehrsknotenpunkt geprägt, der sich mitten im Ort befindet. Vor der Aufstauung der Donau durch das Kachlet-Kraftwerk westlich von Passau ab 1927 war das von Felsen durchsetzte sogenannte G’hachlet in der Donau bei Sandbach die gefährlichste Stelle von Hofkirchen bis Schalding. Hier bildeten Steine und Felsen, die oft spitz wie die Zähne einer Flachshechel aus dem Fluß ragten, eine für Schiffe und Flöße äußerst schwierig zu meisternde Durchfahrt.
In der Ortsmitte Sandbachs biegt die Alte Poststraße von Vilshofen nach Passau von der Donau ab und steigt über den Kaspernberg zum Neuburger Wald hinauf, weil östlich von Seestetten die steil in die Donau abfallende 6 km lange Löwenwand den direkten Weg entlang der Donau nach Passau versperrte. Erst im 19. Jahrhundert wurde durch den Bau einer Straße (1823) und einer Bahnlinie (1860) der direkte Weg nach Passau an der Donau eröffnet. Diese Ost-West-Verbindung kreuzte sich in Sandbach mit der Nord-Süd-Verbindung, die durch eine seit dem Mittelalter bis heute bestehende Fähre geschaffen wurde, die zwischen Sandbach und Besensandbach am linken Ufer verkehrt.
Die alte Pfarrkirche, erbaut 1460 ist den beiden Schutzpatronen der Reisenden und Schiffer St. Nikolaus und St. Martin geweiht. Mit der Errichtung der Expositur wurde das Gotteshaus 1866 erweitert. Jahrhundertelang gehörte Sandbach zur Pfarrei Holzkirchen, erst 1921 wurde das Dorf selbständige Pfarrei. Nach dem Bau der neuen Kirche 1969/70 wurde die alte Kirche St. Nikolaus wieder auf die ursprünglichen Maße zurückgebaut. Die neue moderne Pfarrkirche dominieren Beton und Glas, sie schaut wie ein Schiff auf das Donautal hinaus.
Die Geschichte von Sandbach, in dessen Boden Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung gefunden wurden und das in der Römerzeit in die Grenzbefestigungen entlang der Donau einbezogen war, wurde von den Herrschaftsbereichen bestimmt, die in dieser Region aneinander grenzten. Die erste Erwähnung Sandbachs findet sich in einer Urkunde um 950, in der der Adelige Diotrich den Ort an den Passauer Bischof vertauschte. Im 12. Jahrhundert besaßen die Herren von Kamm, die späteren Grafen von Hals, den Ort, bis er 1375 auf dem Erbweg an die Grafen von Ortenburg fiel. Durch Verpfändung (1379) und späteren Verkauf (1381 und 1385) erwarb das Herzogtum Bayern Sandbach, das zunächst der Herrschaft Dießenstein zugeschlagen wurde. Seit 1562 wurde Sandbach dann vom Landgericht Vilshofen verwaltet. Die Weiler und Einödhöfe um Sandbach und Seestetten waren von 1283 bis 1803 im Besitz der Grafen von Neuburg und damit ein Teil Österreichs. Um 1840 zählte Sandbach 17 Anwesen und die Bevölkerung bestand aus Groß- und Kleinbauern, Mühlen- und Gasthofbesitzern, Handwerker, Schiffern, Flößern und Fährleuten.
Die Umgebung Sandbachs wird zunächst von den Donauleiten bestimmt, aus dem Donautal aufsteigenden bewaldeten Höhenzügen, die weiter südlich in ein hügeliges waldreiches Gebiet übergehen, das von zahlreichen Weilern und Einödhöfen besiedelt ist. Von ihnen gehörten zur ehemaligen Gemeinde Sandbach neben dem Dorf Seestetten auch Ratzing, Wimm, Reut, Setzenbach, Hochreut, Kallöd, Haid, Eben, Großhochleiten, Primsdobl, Hofmark, Straß, Steinhügl, Mahd, Strenn, Giglmörn, Gaisbruck, Reisach, Hilgen und Hattenham.

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